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Es ist verständlich und absolut legitim, dass Macron diesen Weg für die Arbeitsmarktreform wählt, weil er weiß, dass Frankreich auf rasche Veränderungen angewiesen ist.

Was noch vor einem Monat von den meisten Auguren bezweifelt wurde, ist nun dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Sonntag doch gelungen. Um die einzelnen, noch so erfolgreichen LRM-Kandidaten ging es den Wählern nicht einmal: "Ich habe für Valérie Wie-heisst-sie-schon gestimmt", meinte ein Pariser Bürger im schicken 16. Arrondissement, wo Macron schon in den Präsidentenwahlen im Mai abgeräumt hatte. Die konservative Partei "Les Républicains" und ihre Partner kommen demnach auf 126 Sitze, die Sozialisten von Ex-Staatschef François Hollande und verbündete linke Parteien auf nur noch 46 Sitze. Kurz vor der Wahl hatten Demoskopen gar eine Mehrheit von über 400 Sitzen für En marche und Modem erwartet. 61 Prozent der Franzosen hatten vor der Abstimmung gesagt, das erdrutschartige Ergebnis der ersten Runde "korrigieren" zu wollen. Ein Staatspräsident, der den politischen Gegner aufbaut - auf der Bühne der Fünften französischen Republik kündigt sich die nächste Uraufführung an. Bei seinen Reformvorhaben, insbesondere der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, will Macron schnell Fakten schaffen. Das galt sowohl für Finanzminister Bruno Le Maire als auch für Wohnungsbauminister Richard Ferrand, der in eine Begünstigungsaffäre verwickelt ist. Zumindest konnte sie selbst ein Abgeordnetenmandat in der nordfranzösischen Bastion Hénin-Beaumont erobern; darüber hinaus dürfte es sieben weitere Sitze geben, auch für ihren Lebenspartner Louis Aliot, während Parteivize Florian Philippot im elsässischen Forbach scheiterte. Die konservativen Republikaner konnten nur mit maximal 128 Abgeordneten rechnen, nachdem sie in der alten Nationalversammlung noch 199 hatten. "Und diese Gruppe wird alle Unterstützer und Sympathisanten, alle Kräfte der lebendigen Linken nach demokratischen Prinzipien kontinuierlich an ihrer Arbeit beteiligen". In der Opposition gibt es jedoch keinen großen Block, sondern mehrere Gruppen, die je die Fraktionsstärke (mindestens 15 Mandate) erlangen.

► Der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Jean-Christophe Cambadélis, trat wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale vor die Kameras und erklärte seinen Rücktritt.

Allein nach dem zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen schlossen sich 44 000 Franzosen an, während die Mitgliederzahlen bei den alten Traditionsparteien abbröckeln. Sehr bald soll auch eine Art Parteikongress einberufen werden, denn "En Marche" muss sich von einer politischen Erneuerungsbewegung zu einer Partei mit einem kohärenten Programm fortentwickeln. "Wir sind in Frankreich, nicht in Russland", sagte der linksgerichtete Kandidat Jean-Luc Mélenchon am Freitag dem Radiosender Europe 1. Seine Partei benötige neue Ideen und eine neue Organisation, sagte er. Der Wahlkreis im Norden Frankreichs, in dem Macron seine Stimme abgegeben hatte, bleibt dagegen in der Hand der bürgerlichen Rechten.

Der rechtspopulistische Front National verfehlte dagegen die Fraktionsgröße. Sie habe in der zweiten Runde der Parlamentswahl ihren Wahlkreis in Nordfrankreich gewonnen, sagte sie am Sonntagabend. Le Pen zieht für ihren Wahlkreis Hénin-Beaumont ins Palais Bourbon. Viele von ihnen haben künftig einen Sitz in der Nationalversammlung. Sie lag laut Hochrechnungen um die 43 Prozent, noch deutlich niedriger als im ersten Wahlgang.

Für die Regierung dagegen stellt sich wegen der hohen Sitzzahl ein Problem: Die überwiegende Zahl ihrer Neulinge im Parlament hat keinerlei Erfahrung mit den Prozeduren und Gebräuchen der Nationalversammlung. Unter den 577 Abgeordneten sind 223 Frauen, dies sind 38,7 Prozent. Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National stimmte in Hénin-Beaumont ab, wo sie sich um einen Sitz in der Nationalversammlung bewarb. Im Gegensatz zum Senat hat sie außerdem das Recht, die Regierung per Misstrauensvotum zu stürzen.


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