KXIP vs KKR Live Score

Meinungsforscher hatten zuvor bis zu 470 Mandate für möglich gehalten.

Unklar ist auch, wie Konservative und Sozialisten, die bisher tragenden politischen Kräfte, aus ihrer historischen Krise hervorgehen werden. Insgesamt dürften die moderate Linke und die Grünen zusammen nur noch mit 29 bis 49 Sitzen vertreten sein. Der neue Oppositionsführer Francois Baroin von den konservativen Republikanern sagte, seine Fraktion werde trotz deutlicher Verluste ihre "Werte verteidigen". Sozialistenchef Jean-Christophe Cambadélis nannte das Wählervotum "unmissverständlich" und kündigte seinen Rücktritt an.

Dennoch bedeutet sein Erfolg eine grundlegende Umwälzung des politischen Systems in Frankreich: Seine erst 14 Monate alte Partei La République en Marche hat aus dem Stand die absolute Mehrheit geholt.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz beglückwünschte Macron, auf Deutsch und Französisch.

Linkspartei und Kommunisten gewannen rund 25 Mandate, der rechtsextreme Front National (FN) von Marine Le Pen acht Sitze. In der Opposition gibt es jedoch keinen großen Block, sondern mehrere Gruppen, die je die Fraktionsstärke (mindestens 15 Mandate) erlangen.

Am Sonntag wurde noch in 573 Wahlkreisen gewählt: Vier Kandidaten hatten es bereits vor einer Woche geschafft, in ihrem Wahlkreis die absolute Mehrheit zu erobern. Sie sank auf ein Rekordtief von rund 42 Prozent und fiel noch niedriger als im ersten Wahlgang aus. Der noch im Jänner 2017 belächelte Außenseiter Macron verfügt nun über eine Mehrheit, die nicht einmal Charles de Gaulle hatte. Die historisch niedrige Wahlbeteiligung vom Sonntag spielt ihnen zusätzlich in die Hände.

Für die Regierung dagegen stellt sich wegen der hohen Sitzzahl ein Problem: Die überwiegende Zahl ihrer Neulinge im Parlament hat keinerlei Erfahrung mit den Prozeduren und Gebräuchen der Nationalversammlung. Schon vergangene Woche hieß es, die Menschen seien nach einem monatelangen Marathon mit Vorwahlen und Präsidentenkür ermüdet.

Laut der Zeitung "Le Monde" (Online) kommt Macrons Bewegung auf 355 Sitze, 311 Sitze für La Republique en Marche (LREM) und 44 Sitze für deren Verbündeten MoDem.

Beobachter meinen zudem, dass das Fernbleiben von den Wahlzellen dieselbe Politikverdrossenheit zeige, die auch für die Abwahl der traditionellen Parteien sorgt. Manche Wähler wiederum meinten, die Mehrheit für Macrons Partei sei ohnehin so deutlich, dass ihre Stimme nichts bewirken werde.

Mit 39 Jahren ist Macron der jüngste Präsident in der französischen Geschichte.

Ausserdem strebt er weitreichende Reformen in der vom angekündigten Austritt Grossbritanniens verunsicherten Europäischen Union an und hofft dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland.

Macron braucht die Mehrheit in der Nationalversammlung, um seine zum Teil umstrittenen Reformen umzusetzen. Die Wahllokale für die entscheidende zweite Runde der Parlamentswahl haben von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, in großen Städten zwei Stunden länger. "Wenn Macron klug ist, wird er die Nationalversammlung das Gesetz etwas abmildern lassen". Vor allem bei der geplanten Arbeitsmarktreform sind ausserdem Protestkundgebungen von Gewerkschaften zu erwarten.

Nach der Wahl könnten Macron und sein Premierminister Edouard Philippe wie in Frankreich üblich ihre Regierungsmannschaft nachjustieren. Eine grössere Kabinettsumbildung gilt angesichts des Ergebnisses allerdings als unwahrscheinlich.


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