Bei der zweiten Runde der Parlamentswahl in Frankreich zeichnet sich eine geringe Beteiligung ab. Weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten haben ihre Stimme abgegeben. Das sind etwa zehn Prozentpunkte weniger als zu diesem Zeitpunkt bei der Wahl vor fünf Jahren, und auch deutlich weniger als bei der ersten Runde vor einer Woche.

Umfragen hatten das Lager des neuen Staatspräsidenten Emmanuel Macron klar in Führung gesehen, eine absolute Mehrheit in der ersten Parlamentskammer galt als sicher.

Sechs Wochen nach Macrons Wahl zum Staatschef galt eine absolute Mehrheit für seine Partei La République en Marche und die verbündete Mitte-Partei MoDem in der Nationalversammlung als sicher. Damals lag die Wahlbeteiligung am Ende des Tages bei 48,7 Prozent - das ist der bislang niedrigste Wert bei einer Parlamentswahl seit Gründung der Fünften Republik 1958. Sie könnten nach einer Berechnung des Instituts Harris Interactive auf 60 bis 80 Sitze kommen. Er plant in den kommenden Monaten unter anderem eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts.

Die traditionellen Regierungsparteien der bürgerlichen Rechten und der Sozialisten müssen mit einer weiteren herben Niederlage rechnen.

Die Wahllokale sind noch bis 18.00 Uhr geöffnet, in großen Städten zwei Stunden länger. Die letzten Wahllokale schließen um 20 Uhr, unmittelbar danach werden erste offizielle Hochrechnungen erwartet.

Bei der Parlamentswahl wird in 577 Wahlkreisen jeweils ein Abgeordneter gewählt.

Bereits im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag war Macrons Bündnis mit 32,3 Prozent klar vorne gelandet. Allerdings gibt es in den Reihen der Republikaner verschiedene Lager: Manche stehen einer Zusammenarbeit mit Macron offen, während andere auf eine klare Abgrenzung setzen.

Unklar ist noch, ob die radikale Linke um Jean-Luc Mélenchon eine Fraktion bilden kann. Die Front National von Rechtspopulistin Marine Le Pen dürfte nach den Umfragen weiterhin keine grosse Rolle im Parlament spielen - allerdings hat Le Pen selbst Chancen, in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich erstmals in die Nationalversammlung gewählt zu werden.


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