KXIP vs KKR Live Score

In der Parteizentrale fehlt übrigens an diesem Abend völlig der Goldstaub der Prominenz: Emmanuel Macron als Präsident hält sich von der Parlamentswahl fern.

Paris. Die Partei von Emmanuel Macron hat die absolute Mehrheit im Parlament gewonnen.

Der Erdrutschsieg des Macron-Lagers dürfte sogar noch umfassender ausfallen, falls sich einzelne Sozialisten wie Ex-Premier Manuel Valls, aber auch gemäßigte Republikaner dem Macron-Label der "präsidialen Mehrheit" anschließen sollten.

Der sozialliberale Staatschef sicherte sich in der entscheidenden Abstimmungsrunde am Sonntag eine komfortable Machtbasis für seine Reformen, mit denen er Frankreich international wieder konkurrenzfähig machen will. Das Bündnis um seine Partei La République en Marche errang am Sonntag laut Hochrechnungen bei der zweiten Runde der Parlamentswahl mehr als 355 der insgesamt 577 Sitze. Meinungsforscher hatten allerdings mit einer noch grösseren Mehrheit von bis zu 470 Mandaten gerechnet. Die absolute Mehrheit liegt bei 289 Sitzen.

Der Triumph für Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Mitte-Partei La République en Marche und ihre Verbündeten bestätigt eine historische Zäsur für die französische Politik. Die anstehende Arbeitsmarktreform aber bezeichnet Mélenchon als "sozialen Staatsstreich" - da weiß die neue Regierung gleich, worauf sie sich bei ihm und den linken Gewerkschaften einstellen muss.

Die Wahlbeteiligung stürzte auf einen neuen historische Tiefpunkt. Das waren noch weniger abgegebene Stimmen als im ersten Wahlgang vor einer Woche, als im gleichen Zeitraum 40,8 Prozent der Franzosen ins Wahllokal gekommen waren. Das könnte auf eine geringere Zustimmung in der Bevölkerung für den Kurs des neuen Präsidenten hindeuten, als die Sitzverteilung in der ersten Parlamentskammer vermuten lässt.

Und: Eine Mehrheit der Stimmbürger blieb der Wahl fern. Merkel und Macron wollen in der Europapolitik zusammenarbeiten und nach Informationen aus dem Élyséepalst schon zum kommenden EU-Gipfel einen gemeinsamen Beitrag leisten.

Konservative und Sozialisten erlitten herbe Verluste: Das konservative Lager erzielte den Hochrechnungen zufolge zwischen 97 und 130 Abgeordnetenmandate. Zuvor hatten sie fast 300 Mandate inne. Da jeder Parlamentarier seiner Partei jährlich 37.280 Euro einbringt, die zudem 1,42 Euro pro Stimme im ersten Wahldurchgang erhält, stehen vor allem Republikanern und Sozialisten Einbußen in Millionenhöhe bevor. "Gegenüber diesem Blocks, sind wir die einzige Kraft des Widerstands angesichts der Auflösung Frankreichs, seines Sozialmodells und seiner Identität", so Le Pen.

Linkspartei und Kommunisten gewannen zwischen zehn und 30 Mandate, die rechtspopulistische Front National (FN) von Marine Le Pen sechs Sitze, vier mehr als bisher. Le Pens Front National konnte ihre Rolle im Parlament stärken, sie kommt aber trotzdem nur auf mindestens acht Sitze. Sie zieht damit erstmals in die Nationalversammlung ein. Um die einzelnen, noch so erfolgreichen LRM-Kandidaten ging es den Wählern nicht einmal: "Ich habe für Valérie Wie-heisst-sie-schon gestimmt", meinte ein Pariser Bürger im schicken 16. Arrondissement, wo Macron schon in den Präsidentenwahlen im Mai abgeräumt hatte.

Allerdings war die Wahlbeteiligung so niedrig wie nie zuvor in Frankreich. Das wäre ein neuer Tiefstand in der Geschichte der 1958 gegründeten Fünften Republik. Auch wenn er und Präsident Macron nun freie Hand haben für ihre Reformpolitik, darunter die angekündigte Lockerung des Arbeitsrechts.


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