Die Versammlung müsse aber in dem Bewusstsein ablaufen, dass es um etwas Größeres gehe.

Dieser Kompromiss sei zugleich radikal, realistisch und verantwortungsbewusst, sagte Spitzenkandidat Cem Özdemir.

Die Grünen wollen die 1999 unter Rot-Grün eingeführte Stromsteuer abschaffen und in eine CO2-Bepreisung umwandeln, die vor allem Kohlestrom teurer machen soll.

In dem Wahlprogramm, das die 850 Delegierten beraten, fordert die Partei neben einem baldigen Kohleausstieg, dass ab 2030 nur noch abgasfreie Autos hergestellt werden. Davon erhofft sich die Ökopartei ein Aufbruchsignal und ein Ende der schlechten Umfragewerte. "Mit uns wird es keinen Koalitionsvertrag ohne die Ehe für alle geben", soll es im Programm für die Bundestagswahl 2017 heißen. Damit bauen die Grünen eine Hürde für eine Koalition mit der Union auf, die sich bislang gegen die Ehe für alle sperrt. Und die solle abgelöst werden.

In Umfragen liegen die Grünen derzeit bei sieben bis acht Prozent - also noch hinter dem als enttäuschend empfundenenWahlergebnis von 2013, als sie nach Debatten um "Veggie-Day" und Pädophilie 8,4 Prozent holten.

Dass der Parteitag nicht ohne Konflikte zwischen dem linken Flügel und den Realos bleibt, wurde gleich zu Beginn klar. So spricht der scheidende Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele vielen Delegierten von der Seele, als er ein Zurück zu den pazifistischen Wurzeln der Partei anmahnt. Eine Berliner Rentnerin habe ihr gesagt, die beiden erinnerten "weniger an Grüne als an Ortsverein-Vorsitzende der CDU", erzählte Canan Bayram - und erhielt dafür Beifall von einem Teil der Delegierten. Darauf will die Partei, darauf will Katrin Göring-Eckardt in ihrer Rede eine Antwort geben. "Parteitag vorbereiten ist wie Puzzeln mit verbundenen Augen", hat Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner unmittelbar vor dem Delegiertentreffen erklärt. "Einfach mal die Fresse halten". Die Forderung war im vergangenen Jahr nicht nur bei der Autoindustrie, sondern auch beim Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg auf Widerstand gestoßen. Sie seien "erfahrene und seriöse Spitzenkandidaten", sagte Kretschmann.

Zum Abschluss der Rede formten Grüne im Saal den Slogan "Climate first" (Klima zuerst) in Anspielung auf das Motto "America first" von US-Präsident Donald Trump. Er wies kritisch darauf hin, dass im Entwurf des Wahlprogramms nichts Aussagekräftiges zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr stehe. Der Parteitag soll den Weg raus aus der Bedeutungslosigkeit weisen.

Zur Erhöhung der Sicherheit in Deutschland müssten die Behörden personell besser ausgestattet sein, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Irene Mihalic. "Ich bin nach der Atomkatastrophe von Fukushima zu den Grünen gegangen", sagt der 23-Jährige am Rande des Parteitags. Gut 100 Tage vor der Bundestagswahl und angesichts des Umfragetiefs der Grünen ist ihr Auftritt vielleicht die beste Chance, vor der Wahl im September ein solches Feuer zu entfachen.


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