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Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kritisiert Audi hingegen wegen der Verwendung der illegalen Software. Porsche ist vom Rückruf nicht betroffen. Stadler unterstellt Dobrindt indirekt sogar, wegen der Bundestagswahl im September so gehandelt zu haben.

München/Neckarsulm Die Münchner Staatsanwaltschaft weitet ihre Betrugs-Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre nach neuen Vorwürfen aus. Dabei ging es zunächst nur um Abgas-Manipulationen in den USA. VW ist der Auffassung, in Europa gar keine Vorschriften verletzt zu haben - anders als in den USA. Mit den Durchsuchungen wollte die Staatsanwaltschaft insbesondere klären, wer an den Vorgängen beteiligt war. Betroffen sind 24.000 Fahrzeuge der Modellreihe A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren, die zwischen 2009 und 2013 gebaut wurden. Dabei geht es um eine sogenannte Lenkwinkelerkennung. Wird die Lenkung um mehr 15 Grad eingeschlagen, erhöhen sich die Emissionen, weil in dem Auto ein spezielles Schaltprogramm für das Automatikgetriebe aktiviert wird. "Nach einer halben Stunde kann man wieder nach Hause", erklärt der Audi-Sprecher. Danach erkennt die Software an der Stellung des Lenkrads, ob der Wagen geradeaus fährt oder ob eine Kurve kommt. "Das ist sicherlich im gemeinsamen Interesse von Herrn Müller und uns", sagte ein Vertreter der Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat. Die Abschalteinrichtung nimmt wahr, wenn ein Fahrzeug im Prüfstand steht. Der tatsächliche Stickoxidausstoß war im Praxisbetrieb also doppelt so hoch, wie auf dem Prüftstand. Grund sei, "dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird". Deren Autos stoßen laut Audi unter realen Bedingungen 20 bis 100 Prozent mehr Stickoxid (NOx) aus als angegeben.

Audi-Chef Rupert Stadler hatte bei der Jahrespressekonferenz im März diesen Jahres gesagt: "Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand". "Dass Herr Stadler etwas übers Ziel hinausgeschossen ist, ist für uns Historie", sagte er mit Blick auf ein Interview, das der Audi-Chef der "Automobilwoche" gegeben hatte. "Bei 24000 Autos haben wir Auffälligkeiten gefunden", sagte Stadler. Also: Wird das Lenkrad nicht bewegt, arbeitet die Abgasreinigung wie vorgeschrieben. Dobrindt kündigte daraufhin an, dass das Kraftfahrtbundesamt diese Vorwürfe überprüfen solle. Zudem sind die Abweichungen nach Audi-Angaben vergleichsweise gering. Audi wird vorgeworfen, diese Technik bei Diesel- und Benzinfahrzeugen eingesetzt zu haben. Dobrindt will bis zum 12. Juni Lösungsvorschläge sehen für eine Umrüstung. Unternehmensjuristen des Audi-Mutterkonzerns Volkswagen waren bereits im vergangenen Herbst zu der Einschätzung gelangt, dass ein Softwareeingriff am Getriebe AL 551, der bei Abgastests den Schadstoffausstieg reduziert, in Europa nicht illegal sei. Die Aktion soll im Juli starten. Der Zeitaufwand beträgt laut Hersteller rund 30 Minuten. Stadler machte deutlich, Audi selbst habe die Auffälligkeiten bei Abgaswerten der beiden Modellreihen festgestellt und dies den Behörden gemeldet. Der Rückruf werde mit dem KBA abgestimmt. "Es sieht so aus, als wären wir am Anfang von Ende des Diesels", sagt Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.


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