Kohl werde in der Erinnerung weiterleben "als der große Europäer und als Kanzler der Einheit".

"Ich will die Wahl gewinnen und will Kanzler werden", hatte er einst trotzig gesagt, und die Journalisten schmunzelten. "Und es waren sein Mut, seine klaren Positionen und weichenstellenden Entscheidungen, die ihn zu einem Ausnahmepolitiker der Geschichte machen – sicher, neben den vielen Höhen auch mit Tiefen in seinem Leben", ergänzt die Landesvorsitzende.

Kohl war von 1973 bis 1998 CDU-Vorsitzender und gilt als Vater der deutschen Einheit, die in seine Kanzlerschaft fiel. Damals erlitt er ein Schädel-Hirn-Trauma und konnte seither nur noch schwer sprechen.

Die "Birne" von einst, wie ihn der Spiegel auf dem Titel präsentiert hatte, von den einen verehrt, von den anderen gehasst - Kohl polarisierte wie kaum ein anderer. Diese Ereignisse seien auch riskant gewesen, schrieb der 86-Jährige auf seiner Webseite. Nie habe ich Helmut Kohl als Heranwachsender als jemanden empfunden, der einen Aufbruch versprach, etwas Neues, der Jugend zugewandt. Ende November räumt Kohl ein, von heimlichen CDU-Konten gewusst zu haben. Christian Wulff, Peter Müller, JU-Chefin Hildegard Müller und natürlich Heiner Geißler mokieren sich über Bernd Neumanns "Inszenierung von Bremen", nennen es gar parteischädigend. Beide Politiker gelten als Väter der Deutschen Einheit.

Die Ära Kohl ist aber auch verbunden mit der CDU-Parteispendenaffäre, die die Partei nach dem Machtwechsel 1998 in eine schwere Krise stürzte. Seinen Zustand beschrieb der Festredner und frühere österreichische Kanzler Wolfgang Schüssel dort so: Kohl - ein "gefesselter Riese". Bis zum Amt des Bundeskanzlers dauerte es dann noch einmal neun Jahre.

Schuster erinnerte daran, dass Kohl 1997 für sein Engagement den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden erhalten habe. "Er war und ist für mich der Kanzler der Einheit und hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden. Auch dies ist ein bleibender Verdienst Helmut Kohls".

Mit 33 führt er bereits die CDU-Landtagsfraktion in Mainz. Sah er einen Menschen als Gegner, war dessen politische Zukunft meistens schon Vergangenheit. "Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen", irrt sein Dauer-Widersacher Franz Josef Strauß 1976.

"La Repubblica" (Italien): "Vielleicht Helmut Kohl der glücklichste Kanzler Deutschlands".

Dennoch wechselt er als Oppositionsführer nach Bonn in den Bundestag. "Auch zu mir. Politik war dann nie abstrakt und technisch, sondern das Persönliche spielte im Kabinett Kohl, dem ich als Bundesumwelt- und als Bauminister viele Jahre angehört habe, oder im CDU-Bundesvorstand immer eine sehr wichtige Rolle". Er sei ein Glücksfall für die deutsche Geschichte gewesen, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Aber auch Kohl ist mit seinem "General" unzufrieden.

Der Drei-Zentner-Mann, der von den Medien lange bekämpft wurde, hat ein "Händchen" für Personalentscheidungen. Am 16. Februar 2000 erklärte Schäuble seinen Rücktritt als Parteichef, Merkel wurde Nachfolgerin.

Der Mann, der bereits als Kind seine Spielkameraden dazu bringt, ihm die Schleppe zu tragen, wenn er mit einem Kaffeewärmer auf dem Kopf und einem Betttuch im Garten umherstolziert, wird vor allem durch einen unbändigen Willen zur Macht angetrieben. Der pfälzische Machiavelli duldet niemanden neben sich. Aus dem politischen Elefanten, der sich stur seinen Weg bahnte, immer sein dickes Notizbüchlein in der Hand, in dem er Freund und Feind penibel vermerkte, der stets sorgsam darauf achtete, sich erst ganz zum Schluss an die Spitze der Kolonne zu setzen, um nur ja keinen zu verprellen außer den bösen "Sozen", wurde über Nacht ein entschlossener Zupackender.


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